...

In der Erwachsenenbildung zeigt sich oft: Nicht allein die Methode entscheidet darüber, wie Lernen erlebt wird, sondern die Menschen, die ihr begegnen.

Heute gab es im Training eigentlich nur eine kleine Übung.
Unterlagen sortieren, ablegen, gemeinsam organisieren.

Nichts Außergewöhnliches.

 

Eine Teilnehmerin kannte die Übung bereits, weil sie den Kurs im Rahmen ihres Stiftungsplans zum zweiten Mal besucht. Beim ersten Durchgang war die Gruppe deutlich kleiner. Vieles lief beinahe selbstverständlich ab. Man achtete aufeinander, gab Unterlagen weiter und hatte ständig das Gefühl: „Wir machen das gemeinsam.“

Heute war dieselbe Übung plötzlich ganz anders.

Nicht negativ. Es gab keinen Streit und keine offensichtlichen Konflikte. Aber die Dynamik war eine völlig andere.

Die Gruppe ist diesmal größer, schneller und eigenständiger. Viele konzentrierten sich zunächst auf ihre eigenen Aufgaben und Unterlagen. Eigenverantwortung stand deutlich stärker im Vordergrund.

Und plötzlich wurde sichtbar:
Es sind oft nicht die Übungen, die den Unterschied machen, sondern die Menschen in der Gruppe.

Diese Beobachtung erinnerte mich an eine ähnliche Situation vor einigen Wochen.

Auch eine andere Teilnehmerin besucht denselben Kurs bereits zum zweiten Mal. Im ersten Durchgang war die Gruppe ruhiger, zurückhaltender und sehr rücksichtsvoll. Vieles wurde gemeinsam gelöst, Spannungen eher abgefangen.

Im zweiten Durchgang war die Stimmung deutlich direkter.

Und plötzlich funktionierte etwas nicht mehr, das zuvor ganz selbstverständlich gewesen war. Die Teilnehmerin war es gewohnt, sich stärker durchsetzen zu können, diesmal kam jedoch Gegenwind. Daraus entstanden Diskussionen und spürbarer Frust.

Nicht, weil jemand schwierig gewesen wäre.
Sondern weil Gruppen unterschiedlich funktionieren.

Genau das macht Erwachsenenbildung so spannend und manchmal auch herausfordernd.

Erwachsene bringen nicht nur Lernziele mit, sondern auch Erfahrungen, Gewohnheiten, Erwartungen und unterschiedliche Arten der Zusammenarbeit. Gruppengröße, Kommunikation, Tempo und persönliche Lebensrealitäten beeinflussen, wie Lernen erlebt wird.

Deshalb kann man denselben Kurs zweimal besuchen und trotzdem zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen machen.

Und selbst wenn man als Trainer*in dieselbe Übung noch so oft anleitet, bleibt sie nie wirklich dieselbe.

Weil jedes Mal andere Menschen, andere Perspektiven und andere Dynamiken aufeinandertreffen.

Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität der Erwachsenenbildung:
Lernen entsteht nicht nur durch Inhalte, sondern durch Begegnung.

Und genau deshalb wiederholt sich gute Bildung nie vollständig.

Zum Inhalt springen