Es ist Samstagvormittag. Der Kaffee ist noch warm, das Handy liegt irgendwo außer Reichweite und zum ersten Mal seit Tagen gibt es eigentlich nichts, das sofort erledigt werden muss. Genau auf diesen Moment freuen wir uns oft die ganze Woche. Und trotzdem dauert es meist nicht lange, bis sich ein Gedanke einschleicht.
„Eigentlich müsste ich noch …“
Den Einkauf erledigen. Die Wäsche aufhängen. Schnell die E-Mails kontrollieren. Vielleicht doch noch den Schreibtisch aufräumen oder endlich die Unterlagen sortieren, die schon seit Tagen dort liegen.
Plötzlich fühlt sich das Nichtstun gar nicht mehr so entspannt an.
Fast so, als müsste man sich Ruhe erst verdienen.
Dabei ist das eigentlich erstaunlich. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, unseren Alltag zu erleichtern. Staubsaugerroboter reinigen die Wohnung, Termine erinnern sich praktisch von selbst und Informationen sind innerhalb weniger Sekunden verfügbar. Trotzdem entsteht oft das Gefühl, ständig etwas tun zu müssen.
Vielleicht liegt das daran, dass wir heute in einer Welt leben, in der Beschäftigtsein fast zu einem Statussymbol geworden ist. Wer viel zu tun hat, wirkt engagiert. Wer ständig erreichbar ist, gilt als zuverlässig. Und wer eine Pause macht, fragt sich manchmal schon nach wenigen Minuten, ob er oder sie diese Zeit nicht sinnvoller nutzen sollte.
Dass genau diese Pausen wichtig sind, zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Die Arbeits- und Organisationspsychologin Sabine Sonnentag beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Erholung im Berufsalltag. Ihre Forschung zeigt, dass Menschen besonders dann neue Energie schöpfen, wenn sie sich auch gedanklich von der Arbeit lösen können. Nicht die Dauer der Pause entscheidet darüber, wie erholt wir uns fühlen, sondern ob wir es schaffen, innerlich wirklich abzuschalten.
Vielleicht fällt uns genau das heute so schwer.
Unser Kopf ist oft noch beschäftigt, obwohl der Laptop längst geschlossen ist. Während wir auf der Terrasse sitzen, denken wir schon an Montag. Während wir spazieren gehen, planen wir die nächste Woche. Und während wir eigentlich frei haben, beschäftigen wir uns gedanklich mit Aufgaben, die noch gar nicht an der Reihe sind.
Dabei entstehen viele gute Ideen gerade dann, wenn wir sie nicht erzwingen.
Beim Blick aus dem Fenster. Beim Spazierengehen. Beim Lesen eines Buches oder während eines ruhigen Gesprächs. Unser Gehirn braucht diese Momente, um Eindrücke zu verarbeiten, Zusammenhänge herzustellen und neue Gedanken entstehen zu lassen.
Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, Ruhe als verlorene Zeit zu betrachten.
Denn Nichtstun bedeutet nicht, unproduktiv zu sein.
Manchmal ist es genau das, was wir brauchen, um anschließend wieder mit Klarheit, Energie und Freude weiterzumachen.
Vielleicht ist die wertvollste Aufgabe eines freien Nachmittags deshalb gar keine Aufgabe.
Sondern einfach die Erlaubnis, einmal nichts zu müssen.